"Woher der Name Bank, Bankmann? Von den Bänken, auf denen die Inhaber des Geldes sich's bequem machten,
während die Inhaber der Waren umherstanden oder unmutig hin und her liefen."
[ Silvio Gesell ]


"Wer spricht heute noch vom Silber? Wem würde es in den Sinn kommen, Silberbarren zu kaufen und diese als Sparmittel zu verscharren?"

Äh - ja, hm, ich gestehe - ich - naja, verscharren ja nicht gleich... "Heute" ist jetzt immerhin fast ein Jahrhundert später, verstehen Sie? Solange hat man Ihre Untersuchungen zur Theorie des Geldes erfolgreich totgeschwiegen, und nun tauchen Sie hier wieder auf!?

"Es war Haderstoff, den ich untersuchte. Konnte ich wissen und vermeiden, dass das, was ich finden sollte, ein revolutionärer Brander sein würde?"

Sicher nicht, doch die Wissenschaft ignoriert Sie weitestgehend bis heute.

"Sonderbar, wir bezahlen und erheben seit 4000 Jahren Kapitalzins in ungezählten Milliarden, ohne dass die Wissenschaft die Frage zu beantworten vermöchte‚ woher und warum der Kapitalist den Zins erhält."

Ich fürchte, nun sogar seit 4100 Jahren... Was könnte der Grund dafür sein?

"Es gibt anziehendere Gegenstände der Forschung als das Geld..." "Wer die Mittel nicht besitzt, um das Geschriebene auf eigene Kosten drucken zu lassen, der darf sich nicht mit dem Geldwesen befassen."

Walker

Doch Sie haben es trotzdem getan, warum?

"Ohne Einblick in das innere Wesen des Geldes ist es unmöglich, den Zins zu erklären."

Ah, der Zins, das größte Übel auf Erden, ginge es auch ohne ihn?

"Die Arbeitsteilung an sich verlangt keinen Zins, wer sollte da auch Zins zahlen, und weshalb?"

Doch die Sparer wollen nun einmal Zinsen...

"Den Sparern stehen alle Güter der Welt zur Verfügung, warum sollen sie also ihre Ersparnisse gerade in Geld anlegen? Das Geld wurde doch nicht gemacht, damit es gespart werden könnte!"

Nicht? Hätte das Sparen ohne Zinsen einen Sinn?

"Der Zins ist ja sicher ein besonderer Reiz für den Sparer. Aber nötig ist dieser besondere Reiz nicht. Der Spartrieb ist auch ohne diesen Reiz stark genug. ... Gerade durch den Zins, den der Arbeiter erst für andere aufbringen muss, wird der Arbeitsertrag so stark beschnitten, daß in der Regel der Arbeiter an Sparen überhaupt nicht denken kann. Ist also der Zins ein Sparreiz, so ist er in noch stärkerem Grade ein Sparhindernis. Der Zins beschränkt die Sparmöglichkeiten auf ganz kleine Kreise..."

Das hieße ja, der Zins behindere das Sparen sogar. Aber ist er nicht fest mit dem Gelde verbunden?

"Ein Recht auf Zins widerspricht dem Gedanken des Geldes, denn dieses Recht käme einer Besteuerung gleich, einer privaten Besteuerung des Warenaustausches mit Hilfe einer staatlichen Einrichtung. Das Recht auf Zins käme dem Rechte gleich, den Warenaustausch durch Festhalten des Geldes zu unterbrechen, um die Warenbesitzer, die auf dieses Geld warten, in Verlegenheit zu setzen, und um diese Verlegenheiten für die Zinserpressung auszubeuten."

Sie meinen, der Zins behindere so den Warenaustausch? Wie könnte man das ändern?

Casa Gesell

"Wir müssen ... das Geld als Ware verschlechtern, wenn wir es als Tauschmittel verbessern wollen."

Das ist alles?

"Je verachteter das Geld, um so geschätzter die Ware und ihr Verfertiger, um so leichter der Handel."

Die Leute sollen ihr liebstes Geld verachten? Wie wollen Sie das denn schaffen?

"Irgendwelchen Vorrat will niemand haben ... nur Geld wollen die Leute haben..." "Darum erhebt der Staat für die Benützung des Geldes eine Gebühr von 5% im Jahre. So ist nun der Staat sicher, daß das Geld nicht zum Glücksspiel, zur Ausbeutung, als Sparmittel mißbraucht wird."

Was, 5% im Jahr einfach weg?? Das wäre ja Freiheit vom Geld im wahrsten Sinne des Wortes!

"Der Käufer mag sich wohl anfänglich darüber beklagt haben, dass man ihn jetzt sozusagen zwingt, sich seines Geldes zu entledigen; er nannte diesen Zwang eine Beschränkung seiner Freiheit, einen Anschlag auf das Eigentum. Es kommt eben darauf an, für was man das Geld hält."

Ach so, ich vergaß - das Geld wäre ja nur noch Tauschmittel, nicht mehr Sparmittel...

"Wer in den Besitz von Freigeld gelangt, muß es wieder in Umlauf setzen, einerlei, was dabei herauskommt, ob Gewinn oder Verlust. Das Freigeld befiehlt, es duldet kein Gefängnis, es zerbricht die Ketten. Den Spekulanten, den Bankmann, der das Geld zum Zwecke des Angriffs oder auch nur zur eigenen Verteidigung am Umlauf hindern will, schlägt es nieder. Mit der Kraft des Sprengstoffes zertrümmert es die Geldkasten, die Gewölbe der Banken, ...um die Freiheit zu erlangen und sich auf den Markt zu stürzen. Daher der Name 'Freigeld'."

Sie werden mir immer symphatischer, Herr Gesell. Sie schlagen also ein anderes Geld vor, das der Staat unter Kontrolle hat, nicht mehr die private Zentralbank?

"Der Staat... übt die Oberaufsicht über dieses Verkehrsmittel nicht, damit es zu anderen, dem Warenaustausch völlig fremden Zwecken mißbraucht werde..."

Wie könnte man sich das vorstellen?

"Mit Einführung des Freigeldes wird der... Bank das Recht der Notenausgabe entzogen, und an die Stelle der... Bank tritt das... Währungsamt."

Also doch wieder so etwas wie eine Bank?

"Das... Währungsamt betreibt keinerlei Bankgeschäfte. Es hat keine Schalter, nicht einmal einen Geldschrank. Das Geld wird in der... Druckerei gedruckt; Ausgabe und Umtausch geschehen durch die Staatskassen; die Preisermittlung findet im Statistischen Amt statt."

Ich fürchte, die Beamten eines neuen Währungsamtes wären damit schon überfordert...

"Viel Ware - viel Geld, wenig Ware - wenig Geld. Das ist die Richtlinie des... Währungsamtes. Eine ganz erstaunlich einfache Sache"

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Wäre das nicht sogar etwas zu einfach?

"Eine Presse und ein Ofen... Das ist die ganze Einrichtung."

Naja, heute wären das wohl eher die Enter- und Delete-Taste...

"So ist das Währungsamt Beherrscher der Marktlage, und das bedeutet... nichts weniger, als dass wir nun auch die Wirtschaftskrisen, die Arbeitslosigkeit überwunden haben." "Das Geld selbst sucht jetzt die Ware auf, und Ware ist Arbeit."

Moment mal, sagten Sie, das Geld suche dann die Ware auf? Würde das nicht bedeuten, dass ich von der penetranten, überall auf mich einschlagenden und mich abstumpfenden Werbung für Dinge, die ich niemals brauchen werde, befreit würde?

Diesem Währungsamt müssten wir aber gut und ständig auf die Finger gucken!

"Es bedeutet aber auch, daß niemand mehr Geldvorräte anzulegen braucht, weil die Regelmäßigkeit, mit der das Geld jetzt umläuft, solche überflüssig macht."

Heureka! Und als Sparmittel nehme ich ja dann etwas anderes - mache ich doch jetzt schon, denn schon jetzt kann man sich auf das Geld als Sparmittel ja nicht mehr verlassen. Als Tauschmittel taugt es auch nur gerade noch so...

"Der Zins macht das Sparen für die große Mehrzahl unmöglich... Wir werden niemals von Renten leben können, wohl aber von unseren Ersparnissen, und zwar mit Behaglichkeit bis an unser Lebensende."

Wir können mehr sparen, obwohl das Geld dann kein Sparmittel mehr ist! Klingt sehr verlockend, aber wie wird nun genau der Zins als das "Recht auf fremden Arbeitsertrag" verringert?

"Das herkömmliche Geld zieht seinen Zins... aus dem Warenumlauf. Es hat seinen Saugrüssel unmittelbar in die Blutbahn des Volkes gesenkt. Mit dem Freigeld wird dem Tauschmittel dieses Schröpfwerkzeug genommen. Und darum ist das Freigeld an und für sich kein Kapital mehr. Es kann den Zins nicht mehr unter allen Umständen erpressen."

"Der Zins war ... ein Zoll, ein Brückengeld, das die Warenverfertiger für die Benutzung des Tauschmittels an die Besitzer des Geldes zu zahlen hatten. Kein Zins = kein Geld, so hieß es. Kein Geld = kein Gütertausch; kein Tausch = Arbeitslosigkeit; Arbeitslosigkeit = Hunger. Ehe wir aber verhungern, zahlen wir lieber den Zins."

Dann müsste eine "Zollfreiheit" ja zur Folge haben, dass wir weniger arbeiten müssten und mehr Zeit hätten...

"Den Mangel an Häusern, Schiffen, Fabriken kann buntes Geldpapier selbstverständlich nicht beseitigen, entgegen dem von jeher gehegten Wahn der Papiergeld- und Geldpapiergläubigen. Das Freigeld wird den Bau von Häusern, Fabriken, Schiffen in unbegrenzter Menge gestatten; ... Selbst aber wird es keinen Stein zu den fehlenden Städten liefern. Die Druckpressen, auf denen das Freigeld hergestellt wird, werden an und für sich nicht einen einzigen Tropfen zu dem Meere von Sachgütern (Realkapitalien) liefern, das zu Ersäufung des Kapitalzinses unentbehrlich ist und erst durch jahrelange, unverdrossene und ungedrosselte Arbeit geschaffen werden muss, bevor von Zinsfreiheit die Rede sein kann. Die Freiheit muss immer erkämpft werden, wenn sie von Bestand sein soll, und so muß auch die Zinsfreiheit erkämpft, erarbeitet werden. Schweißtriefend soll das Volk das zinsfreie Haus, die zinsfreie Fabrik betreten, den zinsfreien Zukunftsstaat erobern."

Ich fasse zusammen: Die Arbeit bleibt zwar, aber wir arbeiten nur noch für uns - dann sollten wir ja eher fertig werden...

"Hat jemand für sich keinen Warenbedarf, so hört er auf zu arbeiten."

Plausibel, und doch schwer vorstellbar. Einen Versuch wäre es allemal wert. Aber das wird der Bank nicht gefallen - vielleicht hört man deshalb kaum etwas von Ihren Ideen - immerhin ist fast ein Jahrhundert vergangen...

"Jeder gab sich mit dem Vorrecht des Geldes zufrieden - wahrscheinlich weil man glaubte, daß dieses Vorrecht mit dem Geldwesen untrennbar verbunden sei."

"Die Sicherung des Geldes kann nur allein dadurch erzielt werden, daß gesunde währungspolitische Anschauungen Gemeingut des Volkes und der Machthaber werden."

"Nur der Staat selbst... kann das Geld vor Pfuschern, Schwindlern, Dieben sichern und schützen - vorausgesetzt, dass der Machthaber überhaupt seine Macht zielbewußt zu gebrauchen weiß, was leider bisher noch nie und nirgends der Fall gewesen ist."

Das scheint mir der Knackpunkt zu sein! Auch daran hat sich bis heute leider nichts geändert...

"Zinsfreie Darlehen! Das Ende des Kapitals! Geld, Maschinen, Häuser, Fabriken, Waren, Rohstoffe kein Kapital mehr! Ich muss gestehen, es flimmert mir vor den Augen!"

Mit Verlaub, das war eben aber mein Zitat - nämlich die Worte des Zinstheoretikers zum Freigeld...

[Alle Zitate (bis auf das letzte) aus: "Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld", Gesammelte Werke, Band 11, 1920; Verlag für Sozialökonomie]



P.S.:

"Irgendwo in einem Märchen heißt es, daß die größte Strafe, die dem Menschen auferlegt werden kann, die ist, ihn in eine Gesellschaft von Hilfsbedürftigen zu bringen, die die Hände nach ihm ringen, und denen er nicht helfen kann..."


Ja, das Video funktioniert nicht mehr, warum wohl? - doch man hat ja eine Kopie...


"Dieser Vortrag hat einen lebenslänglichen Nachteil. Sollte sich nämlich herausstellen, dass Sie davon überzeugt sind, dass da was dran ist, an dem was ich sage, und Sie trotzdem beharrlich damit fortfahren, das zu ignorieren, dann werden Sie ein schlechtes Gewissen haben bis an das Ende Ihrer Tage - und das sollen Sie auch!"